Verzeihen ist nicht für den anderen

Sei mal ehr­lich: Wie viel alten Groll trägst Du mit Dir herum? Wut auf die Freun­din, die in der sieb­ten Klas­sen mit Dei­nem Schwarm zu­sam­men­ge­kom­men ist. Hass auf die Ex, die Dich auf ganz fiese Art be­tro­gen hat. Groll gegen den ehe­ma­li­gen Chef, der Dich nie für voll ge­nom­men hat. Oder Funk­stil­le zwi­schen Dir und Dei­nem Bru­der, der immer be­vor­zugt wurde und sich bis heute Dir ge­gen­über wie ein Arsch ver­hält. Ist da was?

Und sei noch­mal ehr­lich: Wie fühlt sich das an? Fühlst Du Dich stark und über­le­gen? Oder ist es nicht viel­mehr so, dass es Dir den Magen zu­sam­men­krampft, wenn Du der ver­hass­ten Per­son zu­fäl­lig be­geg­nest? Dein Ge­sicht ein­friert, wenn über sie ge­re­det wird oder Du tat­säch­lich das Vier­tel mei­dest, in dem die Per­son wohnt oder ar­bei­tet? Wenn man ehr­lich ist, fühlt sich das nicht gut an. Gar nicht gut.

Aber trotz­dem hal­ten wir oft fest an die­sen alten Ge­schich­ten. Aus Prin­zip! Der an­de­re hat sich ja falsch ver­hal­ten. Der an­de­re ist ja Schuld an der Si­tua­ti­on. Manch­mal wur­den wir so ver­letzt, dass es heute noch weh tut und dass wir uns nicht davon lösen kön­nen. Egal, ob es wirk­lich eine große Sache war, oder Kin­der­kram. Darum gehts gar nicht. Wir wol­len den an­de­ren ein­fach be­stra­fen. Ist ja nur ge­recht, wenn wir als aus­glei­chen­de Ge­rech­tig­keit bis an unser Le­bens­en­de nicht­mehr mit ihm oder ihr reden. Aber wisst Ihr was?

Wir be­stra­fen damit nicht den an­de­ren, son­dern uns selbst.

Oft be­kommt das ge­mein­te Ge­gen­über gar nicht mit, was wir den­ken. Die in­ten­dier­te Stra­fe kommt gar nicht an. Und auch wenn, rich­tet sie etwas aus? Lohnt es sich über­haupt, so viel En­er­gie in diese „ge­rech­te Stra­fe“ zu ste­cken? Auch und ge­ra­de, wenn es eine Prin­zip­sa­che ist? Es ist doch viel­mehr so, dass vor allem wir selbst dar­un­ter lei­den. Es sich für uns selbst schei­ße an­fühlt, manch­mal sogar kör­per­li­che Aus­wir­kun­gen hat. Und ich finde, es schränkt mas­siv in Frei­heit und Le­bens­qua­li­tät ein.

Was also tun? Ich sags Euch: ver­zei­hen! Ich kann bei die­ser Aus­sa­ge die ver­dreh­ten Augen, die ver­schränk­ten Arme und den stu­ren Blick rich­tig sehen. Aber trotz­dem: die ein­zi­ge Mög­lich­keit, alten Groll los­zu­wer­den, ist ver­zei­hen. Nicht für den an­de­ren. Für Euch selbst! Um Euch selbst aus die­sen Fes­seln zu be­frei­en, das al­lein der Ge­dan­ke an eine Per­son euch emo­tio­na­les und kör­per­li­ches Un­be­ha­gen be­rei­tet. Sprengt die Ket­ten!

Aber wie ver­zeiht man?

Wie schafft man es, den alten Schmerz los­zu­las­sen? Mein Leben und meine Aus­bil­dung haben mich etwas ge­lehrt: Ver­zei­hen ist dann mög­lich, wenn man sich in den an­de­ren hin­ein­ver­setzt und sieht, wel­che In­ten­ti­on hin­ter dem Ver­hal­ten ge­steckt ist. Dazu ge­hört an­fangs viel­leicht etwas Über­win­dung, weil „jetzt soll ich auch noch ver­su­chen, das Arsch­loch zu ver­ste­hen?!“. Aber ja. Ver­gesst nicht, Ihr macht das nicht für den an­de­ren, Ihr macht das für Euch selbst. Die­ser Akt der Ver­ge­bung muss nie beim an­de­ren an­kom­men. Ihr müsst jetzt nicht auf ein­mal den Kon­takt su­chen.

Aber zu­rück zum ver­ste­hen, sich in den an­de­ren hin­ein­ver­set­zen. Ich habe ge­lernt, nie­mand, wirk­lich nie­mand, tut etwas, weil er ge­mein sein möch­te, rück­sichtls­los oder arschig. Auch, wenn es auf den ers­ten Blick so scheint, steckt immer etwa an­de­res da­hin­ter. Jeder will froh wer­den und setzt manch­mal Hand­lun­gen, die ein­fach doof sind. Aber er oder sie setzt sie, weil die Hoff­nung da ist, da­durch selbst glück­li­cher zu wer­den. Ist so. Schaut mal nach!

Walk in their shoes!

Es ge­lingt nicht so ganz? Dann er­zähl ich jetzt eine Ge­schich­te, die mir wahn­sin­nig dabei ge­hol­fen hat. Ich wurde mal ge­be­ten, das Mär­chen Schnee­witt­chen zu er­zäh­len. Die Ge­schich­te von dem Mäd­chen, deren böse Stief­mut­ter sie mit einem ver­gif­te­ten Apfel in einen to­des­ähn­li­chen Tief­schlaf ver­setzt hat. Weil es schö­ner war als sie. Kennt Ihr si­cher. Wenn nicht, hier eine kurze In­halt­an­ga­be: Wiki Schnee­witt­chen

Und dann wurde ich ge­be­ten, die Ge­schich­te aus Sicht der Stief­mut­ter zu er­zäh­len. So wie ich glau­be, wie sich die ganze Si­tua­ti­on für sie an­ge­fühlt hat, so wie ich glau­be dass es zu­stan­de­ge­kom­men ist, dass sie so etwas Schreck­li­ches getan hat. Und plötz­lich hab ich eine Frau vor mir ge­se­hen, die sich un­sterb­lich in einem Mann ver­liebt hat, der diese Liebe wohl nie wirk­lich er­wi­dert hat. Der sie zwar ge­hei­ra­tet hat, aber ei­gent­lich mehr als Er­satz­mut­ter für sein Kind als als ge­lieb­te Frau. Das mus weh­ge­tan haben.

Ich hab eine Frau vor mir ge­se­hen, die ein­sam war. Schnee­witt­chens Vater war König und hatte viel zu tun. In sei­ner frei­en Zeit, war er viel mehr und viel lie­ber mit sei­ner Toch­ter zu­sam­men als mit sei­ner Frau. Das muss weh getan haben. Ich habe eine Frau ge­se­hen, die ihr Leben lang für ihre Schön­heit be­wun­dert wurde, deren Schön­heit für sie wohl das ein­zi­ge war, wofür sie je­mals je­mand wahr­ge­nom­men hat. Und jetzt war da plötz­lich je­mand, der schö­ner war als sie, mehr Auf­merk­sam­keit bekam, mehr ge­liebt wurde. Der für den Mann, den sie so sehr ge­liebt hat, ein­fach viel wich­ti­ger war als sie. Das muss un­wahr­schein­lich weh getan haben.

Es zu ver­ste­hen, macht das Vor­ge­fal­le­ne nicht un­ge­sche­hen.

Na­tür­lich ist und bleibt das Ver­hal­ten der bösen Stief­mut­ter falsch. Zu ver­ste­hen heißt nicht, etwas un­ge­sche­chen zu ma­chen oder dass es plötz­lich in Ord­nung ist. Nein. Aber als ich ge­se­hen habe, was ver­mut­lich hin­ter dem Wunsch steckt, die schö­ne, be­lieb­te Stief­toch­ter los­zu­wer­den, hatte ich plötz­lich Mit­ge­fühl. Da habe ich ge­se­hen, dass diese Frau wohl auch ein­fach ein Mensch ist, der ver­sucht, froh zu wer­den, der sich nach Liebe sehnt, und aus die­ser In­ten­ti­on her­aus etwas dra­ma­tisch Blö­des getan hat.

Ja, es ist nur ein Mär­chen, aber dass ich so ein­fach im Stan­de war, einer Mör­de­rin zu ver­zei­hen, hat dazu ge­führt, dass ich auch in der Lage war, Men­schen zu ver­ge­ben, die mich in der Ver­gan­gen­heit ver­letzt haben. Indem ich mich in deren Lage ver­setzt habe, wurde mir klar, warum sie sich so ver­hal­ten haben. Ich konn­te die gute Ab­sicht sehen, die hin­ter den Taten die­ser Men­schen ge­steckt ist. Und diese gute Ab­sicht, die gibt es immer. Ich konn­te sehen, füh­len und ver­ste­hen, was sie ei­gent­lich ge­wollt haben, und plötz­lich hatte ich Mit­ge­fühl. Und ich konn­te – für mich – sagen „Ich ver­zei­he Dir. Du hast zwar etwas echt Fie­ses ge­macht, das mich sehr ver­letzt hat, aber ich ver­zei­he Dir.“.

Zu ver­ste­hen und zu ver­zei­hen be­freit!

Und wisst Ihr, wie sich das an­ge­fühlt hat? Un­glaub­lich schön. Es war, als würde eine Last von mei­nen Schul­tern ge­nom­men, als könn­te ich plötz­lich tie­fer durch­at­men. Men­schen zu ver­zei­hen hat dazu ge­führt, dass ich ein selbst­be­stimm­te­res, freie­res Leben füh­ren kann. Dass ich nicht mehr zu­sam­men­zu­cken muss, wenn ich der Per­son zu­fäl­lig be­geg­ne, dass ich nicht mehr mit einem ko­mi­schen Schat­ten auf einen Teil mei­ner Ver­gan­gen­heit zu­rück­schau­en muss. Zu man­chen, denen ich ver­zie­hen habe, hab ich heute Kon­takt, man­che habe ich nach wie vor aus den Augen ver­lo­ren und kei­nen Wunsch, sie wie­der in mei­nem Leben zu haben. Aber ihnen zu ver­zei­hen hat mich zu einem ge­las­se­ne­ren, glück­li­che­ren Men­schen ge­macht.

Foto von Kyle Loftus auf Unsplash

Du möchtest Selbsthilfetipps, Inspiration, Austausch, Empowerment & einen kleinen Einblick in meinen Alltag?

Dann folge mir
auf Social Media!

Ich erstelle keine Diagnosen und verspreche keine Heilung. Meine Inspiration und Begleitung ersetzen nicht den Ärzt:innen-Besuch!

RITA HOFMEISTER

Wehrgasse 26/13
1050 Wien
hallo@ritahofmeister.com
+43 699 10990151

PRAXISZENTRUM
TU DIR GUT

Kenyongasse 20/14
1070 Wien

IMPRESSUM

Rita Hofmeister
Wehrgasse 26/13
1050 Wien
Österreich

Ganzheitliche Gesundheits- & Bewusstseinsildung

Tel.: +43 699 10990151
E-Mail: hallo@ritahofmeister.com

EU-Streitschlichtung
Du hast die die Möglichkeit, Beschwerden an die OnlineStreitbeilegungsplattform der EU zu richten. Du kannst allfällige Beschwerde auch an die oben angegebene E-Mail-Adresse richten.

Haftung für Inhalte und Links auf dieser Website
Es wird keine Haftung für die Korrektheit aller Inhalte auf dieser Webseite übernommen, speziell für jene die seitens Dritter bereitgestellt oder die über Links auf andere Webseiten aufgerufen werden können. Sollten dir problematische oder rechtswidrige Inhalte auffallen, bitte ich dich, mich zu kontaktieren.

Urheberrechtshinweis
Alle Inhalte dieser Webseite (Bilder, Fotos, Texte, Videos) unterliegen dem Urheberrecht. Falls notwendig, werde ich die unerlaubte Nutzung von Teilen der Inhalte meiner Seite rechtlich verfolgen.

Danke
Branding & Design: Stephanie Lackner
Umsetzung & Programmierung: Wolf-Dieter Grabner
Fotos: Marion Ida

DATENSCHUTZ

Ich habe diese Datenschutzerklärung verfasst, um dir gemäß der Vorgaben der EU-Datenschutz-Grundverordnung zu erklären, welche Informationen ich sammle, wie ich Daten verwende und welche Entscheidungsmöglichkeiten du als Besucher dieser Webseite hast.

Automatische Datenspeicherung
Wenn du Webseiten besuchst, werden gewisse Informationen automatisch erstellt und gespeichert, so auch auf dieser Webseite. Wenn du meine Webseite so wie jetzt gerade besuchst, speichert mein Webserver (Computer auf dem diese Webseite gespeichert ist) automatisch Daten wie die IP-Adresse deines Gerätes, die Adressen der besuchten Unterseiten, Details zu deinem Browser und Datum sowie Uhrzeit. Ich nutze diese Daten nicht und gebe Sie in der Regel nicht weiter, kann jedoch nicht ausschließen, dass diese Daten beim Vorliegen von rechtswidrigem Verhalten eingesehen werden.

Speeicherung persönlicher Daten
Persönliche Daten, die du mir auf dieser Website elektronisch übermittelst, wie zum Beispiel Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Adresse oder andere persönlichen Angaben im Rahmen der Übermittlung des Kontakt-Formulars, werden von mir nur zum jeweils angegebenen Zweck verwendet, sicher verwahrt und nicht an Dritte weitergegeben. Ich nutze diese persönlichen Daten somit nur für die Kommunikation mit jenen Besuchern, die Kontakt ausdrücklich wünschen und für die Abwicklung der auf dieser Webseite angebotenen Dienstleistungen und Produkte. Ich gebe deine persönlichen Daten ohne Zustimmung nicht weiter, kann jedoch nicht ausschließen, dass diese Daten beim Vorliegen von rechtswidrigem Verhalten eingesehen werden. Wenn du mir persönliche Daten per E-Mail schickst, kann ich keine sichere Übertragung und den Schutz deiner Daten garantieren. Ich empfehle dir, vertrauliche Daten niemals unverschlüsselt per E-Mail zu übermitteln.

Deine Rechte
Dir stehen grundsätzlich die Rechte auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung, Datenübertragbarkeit, Widerruf und Widerspruch zu. Wenn du glaubst, dass die Verarbeitung deiner Daten gegen das Datenschutzrecht verstößt oder deine datenschutzrechtlichen Ansprüche sonst in einer Weise verletzt worden sind, kannst du dich bei der Aufsichtsbehörde beschweren. In Österreich ist dies die Datenschutzbehörde, deren Webseiten du hier findest: Datenschutzbehörde

Newsletter
Wenn du dich für meinen Newsletter einträgst, übermittelst du die oben genannten persönlichen Daten und gibst mir das Recht, dich per E-Mail zu kontaktieren. Die im Rahmen der Anmeldung zum Newsletter gespeicherten Daten nutze ich ausschließlich für meinen Newsletter und geben diese nicht weiter. Du kannst dich jederzeit vom Newsletter abmelden – du findest den Link dafür in jedem Newsletter ganz unten – oder das Löschen aller Daten, die mit der Anmeldung zum Newsletter gespeichert wurden, beantragen.